Reise: Auf drei Rädern an der Adria

Auf drei Rädern an der Adria

Ich, Frau, 169 cm, 58 Kilogramm.
Unter mir ein Sitz, super bequem, gut gepolstert und mit Leder überzogen. Wäre ich noch dünner, könnte man dieses Sitzmöbel gut und gerne als kleines Zweiersofa bezeichnen. Vor mir ein Lenker, besser Lenkstange, deren Ausmaße notfalls auch als Kleiderstange eines durchschnittlichen Vier-Personen Haushaltes herhalten könnte. Und neben mir ein Boot mit Löchern. Somit in  keinem Fall für eine Passage auf der Adria geeignet. Bestens jedoch für meinen Mann, der genüsslich grinsend neben mir sitzt und sich bei 35° im Schatten durch Kroatisches Bergland chauffieren lässt.
Das jedoch ist alles vorgegriffen und ich muss weiter ausholen für diese Urlaubsgeschichte...

 
General Claudia im Ausstellungsraum von Ural in Österreich

Die Idee:
Eine Woche Urlaub, losgelöst von Kind, Herd und Co. gemeinsam mit dem besten Ehemann von Allen, dorthin, wo Motorradfahren, gutes Essen, am Strand liegen und nette Menschen in Einklang zu bringen sind. Also mal wieder nach Dalmatien. Wie gesagt, ohne Stress, nur wir Beide.

Das Problem:
Wir sind zu Zweit und wollen diesmal nicht zwei Motorräder transportieren, da der beste Ehemann von Allen körperlich beschädigt ist und er auf meine kleine BMW hintendrauf sicher nicht passt. Das Motorrad ist einfach zu mickrig für eine Frau und einen ausgewachsenen Mann. Außerdem traue ich mir das sowieso nicht zu, auch auf einfachsten Schotterstraßen mit einem Passagier hintendrauf unterwegs zu sein. Fast wäre unser Plan des gemeinsamen Ausflugs damit auch schon an diesem ersten Problem gescheitert, doch dann...

Die Lösung:
Die rettende Idee kommt beim Schmökern eines Artikels über Dreiräder. Ein längst überfälliger Schritt "zurück in die Vergangenheit" und einmal auf einen Boxermotor mit drei Rädern, bedeutet die mögliche Rettung. Allerdings war mir zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar, dass Gespannfahren so fast gar nichts mit dem Fahren eines normalen Motorrades zu tun hat. Alleine die Idee des Urlaubes und der Wille, das unbedingt durchzuziehen, hat alle weitere Schritte nach sich gezogen.

Die Umsetzung:
Zum zweiten Male wäre unser Urlaubsplan dann an der leihweisen Beschaffung eines Gespannes gescheitert. Keine Ahnung, wie oft und wie weit ich herumtelefoniert habe und eine Absage nach der Anderen kassieren musste, bis ich auf "Bernie" von IWAN-Bikes stieß, (http://iwan-bikes.de/) der nicht umsonst der IWAN unter den Motorradfahrern genannt wird. Über ihn haben wir dann den Kontakt zum Importeur bekommen, und von diesem dann auch ein Gespann zur Ausleihe. Eine praktisch neue URAL cT in glänzend grau mit drei Scheibenbremsen, Rückwärtsgang,  einer Windschutzscheibe für das Beiboot und natürlich dem super Sound eines zweizylindrigen Boxermotores. Also fast state of the art, zumindest für Motorräder made in Russia.

 
Hari, Chef von Ural Austria www.ural.at beim Verladen "unseres" Ural cT Gespannes.

Wie es der glückliche Zufall will, steht unser Leihfahrzeug direkt an der Autobahn in Richtung Süden, genauer knapp vor Linz in Österreich. Von meiner ersten Probefahrt will ich gar nicht reden. Mindestens drei Mal pro Sekunde wollte ich das Projekt wieder schmeißen, so unbedarft fühlte ich mich in jeder noch so  kleinen Kurve. Selbst das Geradeausfahren erfordert Kraft und Konzentration und es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir eins wurden, meine cT und ich. Von wegen keine Schräglage...., nein nicht das Gespann, jedoch ich und mein Sozius wurden anfangs ganz schön hin und her geschaukelt. Zum Ausgleich der Massen muss man sein Körpergewicht auf die jeweilige Seite werfen. Endlich mal wieder Sport...!

Einfach mal den Lenker loslassen, nein, Fehlanzeige. Mit aller Kraft ziehe ich den Lenker nach links, wenn ich beschleunige oder nach rechts, wenn ich bremsen muss oder vom Gas gehe. Das will erst einmal gelernt sein. Das will eine zarte Frauenschulter erst einmal stemmen und über längere Zeit aushalten. Mit jedem Meter, mit jeder Kurve jedoch machte das Ganze mehr Spaß, und heute, nach unserer Tour an der Adria, bin ich hellauf begeistert und werde wohl einige Takte mit dem besten Ehemann reden müssen, ob denn nicht doch Platz in der Garage sein könnte....!?

Der Urlaub
Entegen allen Gerüchten brauchen Frauen überhaupt nicht viel Gepäck, was aber eigentlich nur dem Umstand zu verdanken ist, dass uns nur den Kofferraum hinter dem Sitz im Boot zur Verfügung steht.
Rucksack wollten wir uns keinen aufsetzen und an unserem Leihmotorrad war leider weder Gepäckbrücke noch sonstiger Abstellplatz montiert. Also beschränkten wir uns auf die Dinge, die man im Hochsommer so braucht, Bikini, Badehose, Handtuch, Jeans und ein paar  T-Shirts nebst Zahnbürste.
Also los. Motorradgespann auf den Anhänger vom Importeur verladen, ran an unseren Haken und los in Richtung Urlaub. Adria, wir kommen!
Da wir sehr früh am Morgen gestartet waren, wollten wir die verbleibenden 700 Kilometer noch an diesem, unserem ersten Urlaubstag erledigen. Dies bedeutet zwar unendlich lange Autobahnetappen, aber auch, dass wir schon am Abend unser Quartier in Primosten, bei Katarine und Ilija, beziehen könnten. 
 
Unser erster Tag führt uns einfach so auf kleinen Straßen ins Hinterland der Adria. Ich will zuerst mehr Vertrauen zum Motorrad gewinnen und ein wenig üben. Die kleinen, fast vollständig verlassenen Sträßchen sind hier genau richtig und ich kann ruhig mal beim Bremsen etwas versetzen, ohne gleich in den Gegenverkehr zu kommen.


Blick auf unseren Lieblingsurlaubsort: Primosten von oben.

Niemand hatte mir gesagt, wie anstrengend Gespannfahren ist. Niemand hat mir gesagt, welch heftigen Muskelkater ich an diesem ersten Abend auszuhalten habe, Niemand hat mir gesagt, dass jeder Knochen im Körper beansprucht wird und ebenso hat mir Niemand gesagt, wie unsagbar viel Spaß es macht, mit einem URAL-Boxergespann an die Küste der Adria zu tuckern. Tuckern ist genau die richtige Beschreibung für unseren gemeinsamen Fahrstil. Selten zeigte unser Tachonadel über Hundert km/h an. Also schnell genug für eine ständige Prise frischen Fahrtwindes und dennoch gemütlich genug, um die vielen Eindrücke der Tour zu genießen. 

Die nächste Tagesetappe führt uns gleich mal über eine Schotterstraße auf den Berg, wo gerade ein riesiges Fundament für eine Betonstatur entsteht. Im März 2017 soll dort die "Madonna di Loreta" den Weg nach Primosten weisen.


 Ist es so lange her oder hatte ich in meiner normalen Motorradkluft einfach kein Gefühl mehr für Natur und Umwelt? Ich rieche wieder Blumen und Bäume, spüre die ständigen Änderungen der Temperatur, wenn plötzlich ein kühler Lufthauch vom Meer hochkriecht und später ebenso überraschend eine brütend heiße Bö aus einem Macchia- oder Olivenhain auf uns trifft. Genial, herrlich, wunderbar.

Den Rest des Urlaubes nutzen wir zur Stadtbesichtigung von Sibenik, einen Trip ins Hinterland entlang der Krka, zum Besuch der Burgruine St. Nikola auf einer kleinen Insel vor Sibenik, eines verlassenen Dorfes und als Highlight zu einer Küstentour bis nach Omis auf die Burg und dann über kleinste Straßen zurück nach Primosten.

Fazit:
Jetzt, leider ohne unser Ural-Gespann wieder zu Hause, kann ich nur sagen: Das war Spitze! und ist auf jeden Fall eine Wiederholung wert. Sowohl das Land Dalmatien als auch unser Gespann sind ein Traum.
Erlebnisse, wie mir Leute zur Tankstelle folgten, nur um den Daumen zu heben und ihre Anerkennung über das Fahrzeug zum Ausdruck brachten, treibt mir ein Grinsen ins Gesicht. LKW an roter Amel neben und über mir, Daumen hoch und ein Strahlen in den Augen. Da es in Kroatien wohl sehr, sehr wenige Gespanne gibt und erst recht keine, die aussehen, als wären sie 50 oder mehr Jahre alt, hat dann für uns einfach immens viel Sympathie erzeugt.

Wollt ihr mit uns dieses wunderbare Land kennenlernen, entlang der Küste cruisen, auf naturbelassenen Schotterstraßen das Hinterland erfahren, dann schaut hier bei Reiseangeboten und erlebt eine tolle Reise in einem tollen Land. Link: http://www.motoroute.de/de/reisen

Schlusswort:
Der beste Sozius von Allen hat sich tapfer geschlagen neben mir. Kein einziges Wort des Besserwissens, kein einziger Mecker. "Den" nehme ich jederzeit wieder mit in meinem Boot!!!

Wir bedanken uns bei Hari Schweighofer von URAL, der Firma Ortema für die Stellung von absolut sicheren Protektoren, wir bedanken und bei CLS für die Unterstützung dieser Geschichte, obwohl kein Kettenschmiersystem gebraucht wurde. Wir bedanken uns ebenso bei der Firma Ricoh für die leihweise Bereitstellung der 360° Kamera Ricoh Theta S.
Ganz besonderer Dank geht an Katarina und Ilija Matkovic für die sagenhafte Betreuung während unserer Tour. Von der hausgemachten Peka über Grilladen auf dem Olivenholz, kroatischen Wein und natürlich echt kroatisches Pivo (Bier), wir wurden jederzeit hervorragend versorgt. Wer in Dalmatien ein "Zuhause" sucht, sollte der Villa Matkovic http://villa-matkovic.com/ unbedingt einen Besuch abstatten.


Bunja: Steinige Behausung und Schutz vor Unwetter von Schäfern. (und ihren Schafen?)


Die Kornaten, also über 950 kleine Inseln entlang der Kroatischen Küste, sind immer wieder ein Traum.


Genial, zu was dieses Gespann aus Ural und Heidenau K28 alles in der Lage ist.


Typisch Dalmatien: Wild gewachsene Kiefer als Schattenspender.


Reizvolles, hügeliges Hinterland.


Kleiner Hafen in der Nähe von Rogoznica.


Kaffeepause gegenüber des alten Hafens von Trogir.


Enger geht nimmer! Unendlich viele kleine Straßen durch Olivenhaine und Macchia. Gegenverkehr sollte jetzt nicht kommen.


Feuerwachturm mit Blick bis Sibenik, Trogir und Split.


Verlassenes Dorf bei Supljak.


Ural und Heidenau - ein perfektes Gespann. Heidenau K28.


Blick auf die Altstadt von Omis.


Mitbringsel für Zuhause. Lavendel, Rosmarin, Olive & Co.


Blick auf die Bucht von Omis.

Bilder und Text: Ludwig v. Berg
...und hier das ultivmative Video der Mitarbeiter des Werkes, wo dieses Motorrad hergestellt wurde, unbedingt anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=UUZOzT4F0DI