Elektrisch in Kroatien

Elektrisch in Kroatien

1. Juli 2018 MotoRoute-Reisen 0

Es gibt Situationen im Leben, da muss man einfach über seinen Schatten springen!
Seit gut 45 Jahren bewege ich mich auf und mit einem Motorrad. Von einer alten Hercules über Guzzi und Yamaha XT weiter zu diversen BMW GS bis zur BMW RT. Die ist auch das Stichwort zu aktuellen Entwicklung meines Zweiradlebens. Nach bisher unbestätigten Informationen steht das Kürzel „RT“ angeblich für „RentnerTransporter“?
Auf jeden Fall für mich an der Zeit, auch einmal ein anderes seniorengerechtes Fortbewegngsmittel zu probieren. Dabei stieß ich unweigerlich auf diese Halbmotorräder aus dem Fahrradsegment…! Pedeleck, eBike, Elektrofahrrad. Genau weiß ich nun eigentlich auch nicht, was ich mir da gekauft habe, es macht aber echt Spaß. Nein, nicht so viel Spaß, wie unser anderes Seniorenfahrzeug, eine Ural Sportsman, doch es macht wirklich Spaß.
So kamen wir irgendwann auf die Idee, diese Halbmotorräder mit Pedal und Elektromotor auch einmal unter steinigen Bedingungen in einer fremden Region aus zu probieren. Mitsamt „normaler“ Motorräder kamen diese, nennen wir sie ETM´s (Elektro-Tret-Mopeten) in den Anhänger und dann ab in Richtung Süden, genauer in Richtung Südosten nach Kroatien. Ins Land der Steine, des Schotters, der platten Reifen.
April 2018.
Vier fast erwachsene Menschen, alle um die sechzig, ziehen mit ihren Tretmopeten an die Adriaküste. Die Akkus sind aufgeladen und die Wasserflachen gut verstaut. So geht es dann nach 20 Metern auf Teer sofort links ab in einen der vorgenannten steinigen Passagen. An jeder Ecke stehen Schilder, die auf regelmäßigen Fahrradverkehr hinweisen. Allerdings sehen wir über mehrere Tage hinweg keine anderen Fahrradfahrer, ob mit oder ohne Motor. Nein, halt, stimmt gar nicht…! Auf einer besonders steilen und steinigen Passage überholen wir einen Briten, der mit einem stinknormalen Mountainbike, ohne Motor, ohne Akku, ohne Bergauffahrhilfe, in verzögertem Schritttempo den Berg hochquält. Waden wie ein Betoneimer und Oberschenkel wie eine gute, alte, Deutsche Eiche! Und er schafft es wirklich, diese Etappe zu bestehen und fährt auch dann noch weiter, als unsere ETM´s den Geist aufgeben und das Vorderrad steigt, wenn man in die Pedale tritt.
Schiebt doch mal ein 25 kg Fahrhilfsmittel einen vom Schotter gesegneten Steilhang hoch. Das ist irre! Jede mühsam erkämpfte Kalorie guter, deftiger, kroatischer Speisenfolge wird hier binnen Minuten wieder verbrannt. Das ist Qual. Das ist unmenschlich. Da wünscht man sich doch einfach sein altes, gutes, leichtes MTB zurück.
Wegweisende Schilder stehen zur Genüge, das sagte ich ja schon. Dennoch sollte man sich vorher in der Touristinformation eine Wegekarte besorgen, um die vielen Buchstaben auf den Schildern auch zuordnen und in die richtige Richtung fahren zu können. Die Krönung der Beschilderung besteht jedoch in deutlichen Hinweisen auf schwierige Etappen. Hier zeigt es auf, dass man sein Fahrrad die nächsten 180 Meter schieben solle, oder, auch das haben wir erlebt, man sein Rad auf die Schulter nehmen und tragen. Die Planer dieser sonst wunderbaren Radwege haben dabei wahrscheinlich die vielen Senioren vergessen, die mit ihren gewichtsverstärkten Motorfahrzeugen, niemals nicht auf die Schulter gehuckelt einen solchen Anstieg bezwingen können. Wir haben dann versucht, einen leichteren Weg einzuschlagen, der aber auch nicht „von schlechten Eltern“ war.
An einem anderen Tag führt uns der Weg entlang der Küste. Ebenso steinig, doch mit noch mehr Aus- und Fernsicht. Das Meer zeigt sich in tausend blau- und Grüntönen und die Sonne erzeugt flimmernde Reflexionen. Vielerorts wollen wir einfach stehen bleiben und das Szenario auf uns wirken lassen. Doch hier wird es viel früh dunkel und wie immer, wollen wir vor Tourende noch einen Kaffee direkt am Wasser nehmen. Unser Stammlokal verfügt über vier Hollywood Schaukeln und darauf einen Kaffee oder gar einen Grasevina (Weißwein), das ist der wahre Genuß. Wären wir in Italien, wäre hier der Begriff „dolce vita“ erfunden worden. Leider geht es nach dem Feierabenddrink dann noch gut 3 km steil bergauf zu unserem Quartier. Kaffee, Wein oder Pivo sind dann bereits in den Oberschenkeln verankert und machen das Gefährt doppelt so schwer, wie am Anfang des Tages.
Abschließend bleibt festzustellen, daß es gar nicht sooo schlecht ist, einmal das Motorrad gegen das elektromotorisierte Fahrrad zu tauschen. Klar, mit Gina Schutt auf ihrem Citybike hätte ich wahrlich nicht tauschen mögen und ich ziehe noch heute den Hut vor ihrem Durchhaltevermögen. Aber so ein Mountainbike mit Seniorenhilfe, das hat echt was. Mein Tipp: Ausprobieren!
Wir wünschen Euch einen schönen Urlaub mit dem Motorrad oder eben dem eBike.
Eure Claudia und Ludwig van den Berg.

Text: Ludwig van den Berg;
Bilder: Claudia und Ludwig van den Berg; Emil Schutt;

 

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