Frühling im Steigerwald

Frühling im Steigerwald

8. Juli 2019 MotoRoute-Reisen News Uncategorized 0

Frühling im Steigerwald

Der Steigerwald, auch das Herz der Region genannt, verteilt sein Gebiet auf alle drei Regierungsbezirke Frankens. Man könnte meinen, Ober- Unter- und Mittelfranken hätten sich still darauf geeinigt, ihre schönsten Seiten hier zu vereinen. Zwischen den Kulturhochburgen Nürnberg, Bamberg, Würzburg und Rothenburg ob der Tauber, verwandeln von Blumen gesäumte Straßen die Zweiradfahrt in eine Reise durch ein riesiges Bilderbuch.

Dröhnte der Motor nicht durch den Helm hindurch, würde man wohl recht bald vergessen, wie man sich gerade durch diese herrlichen Landschaften bewegt. Sanfte Schwünge und vorbeiziehende Farben hinterlassen eher den Eindruck eines schwerelosen Fluges durch die Schönheiten unserer Natur. Erst der Dreh am Gasgriff ruft wieder in Erinnerung, dass man auf dieser Reise sein eigener Pilot ist.


Wer den Entschluss gefasst hat, die nächste Tour im Steigerwald zu genießen, wird beim Blick auf die Karte einen „s“- förmigen Streckenverlauf entdecken.
Dieser legt sich süd-westlich von Bad Rodach, zwischen das kurven-versprechende Dunkelgrün von Haßbergen und Steigerwald.

Kaum haben die Kolben ihre ersten Aufwärmschläge hinter sich gebracht, taucht man schon in den vollen Reiz der Streckenführung ein. Kurz hinter dem Ortsausgang von Bad Rodach, geht es den Georgenberg hoch und man passiert die ehemalige innerdeutsche Grenze. Was in Zeiten der Teilung unpassierbar war, ist nun durch einige zügige Schwünge überquert. Der eiserne Zaun hat überall in der Region seine Spuren hinterlassen. Auf der Anhöhe steht der Aussichtsturm Henneberger Warte, der einen schönen Blick über das Bad Rodacher Land frei gibt.
Auf dem Ritt nach Hellingen machen einige saftige Kehren Hunger auf die Schräglagen von Haßbergen und Steigerwald. Schon hier zeigt sich der besondere Charakter der Tour.
Immer wieder kommen sich Knie und Straße näher, aber gleichzeitig lösen sich die Kurvenkombinationen meist in einem herrlichen Blick über die Landschaft auf.
Wenn sich das Motorrad nach der letzten Biegung aufstellt, das Prickeln der Fliehkraft nachlässt, eröffnet sich dem Auge die Weite der Umgebung. Das herrliche Kurvenadrenalin vermischt sich mit dem warmen Gefühl der Freiheit zu einer wunderbaren Freundschaft.


Auf der thüringischen Seite begrüßt uns die Veste Heldburg, die von ihrem Berg auf uns herab schaut. Wäre man nicht gerade erst gestartet, so böte die Burganlage eine schöne Stelle zum Rasten. Doch unser Weg führt uns weiter durch abwechslungsreiche Flora und Fauna, bis wir zwischen Schweickershausen und Ermershausen erneut in Bayrische Gefilde eintauchen. Die Bundeslandgrenze wird hier markiert von dem Beginn des Naturparks Hassberge.
Zwar wesentlich unbekannter als der Steigerwald, bietet dieser dennoch einen herrlichen Wegabschnitt. Eine etwas erhöhte Straße gewährt schon aus einiger Entfernung den Blick auf den dunkel wirkenden Naturpark. Etwas unreal scheint dieser, fast so als stünden die Bäume zu dicht, als das sich Straßen durch sein Inneres schlängeln könnten.
Doch weit gefehlt. Traumhafte Kilometer bieten sich dem Piloten, wenn er durch die Mischung aus Kurven und licht-durchfluteten Auen segelt. Helligkeit und Schatten reihen sich aneinander. Das einzige Fahrzeug, das uns hier entgegenkommt ist ein Mopedfahrer. Das wonnige Kribbeln, das der der Streckenabschnitt in meinem Bauch auslöst, wird gesteigert, als sich mein Blick kurz mit dem des Gegenübers kreuzt. Ein wonniges Grinsen unter seinem Helm verrät mir, dass er ähnlich empfindet.

Immer wieder ist die befahrene Strecke kaum breiter als ein Fahrradweg. Wenn der seltene Fall eintritt, dass dem Motorradler zwei Autos gleichzeitig begegnen, so muss meist eines davon in einer Bucht stehen bleiben, da die Straßenbreite nicht für beide ausreicht.


Das schmale Teerband der Routenführung ist meist mehr von Vögeln und Schmetterlingen bevölkert, als von motorisierten Fahrzeugen. Immer wieder fliegen erstere auf, wenn man mit sich mit seinem Zweirad nähert. Idylle in Hülle und Fülle. Um das Bild zu vervollständigen: Als ich in eine der kleinen Ortschaften einbiege, türmt sich vor mir ein völlig überladener Heuanhänger auf. Wenn der Traktor an seiner Spitze Gas gibt, wackeln die Ballen gefährlich. Auf ihnen sitzt die zugehörige Bäuerin und lacht, als sie meinen faszinierten Blick erkennt.

Selten bin ich eine Tour gefahren, bei der ich mir zu jedem Zeitpunkt sicher war, dass sie mit viel Gefühl und Ortskenntnis ausgearbeitet wurde. Wer von Bad Rodach die Route durch Steigerwald und Haßberge einschlägt, wird verstehen was ich meine. Der Streckenverlauf verbindet nicht einzelne Highlights durch mäßig schöne Kilometer, sondern lebt von seiner Gesamtheit. Wunderschöne Aussichten, Kurvenkombinationen und herrliche Ortsdurchfahrten, umrahmt von den schönen Farben die die Tour begleiten.

Jeder Kilometer als eines der Puzzleteile die sich im Verlaufe der Strecke zu einen so tollen Motorraderlebnis zusammen fügen. Auch der Main trägt seinen Teil dazu bei. In Eltmann überquert man ihn zum ersten Mal, bevor man ihm später in Hassfurt wieder begegnet. Als einer von ganz wenigen größeren Flüssen fließt dieser von Osten nach Westen und halbiert in seinem Lauf in etwa die Tour.
Nach schönen Steigerwald Kilometern, im Wechselspiel von Wald mit Kurven und beige-blauen Landschaften, tut sich in Ebrach am linken Straßenrand das berühmte Kloster auf. Kurzzeitig wird es lauter, wenn die mächtigen Wände den Schall des eigenen Motors reflektieren.
Nur einige hundert Meter weiter wartet eine hervorragende Möglichkeit um die Zylinder eine Weile ruhen zu lassen. Wer seinen Magen mit fränkischen Leckereien vergnügen möchte ist im Gasthof „Zum Alten Bahnhof“ genau richtig. Dieser macht seinem Namen alle Ehre. Der herrliche Biergarten wird an einer Seite von einem zum Restaurant umgebauten Eisenbahnwagon begrenzt.
Auf der Fahrt aus Ebrach heraus lohnt sich ein Blick zurück auf das Stadtbild. Vor dem Hintergrund des Steigerwaldes setzt sich das aus der Vogelperspektive immens wirkende Kloster ab.

Einige kurvig-flache Kilometer führen uns dann zum südlichsten Punkt der Strecke nach Oberscheinfeld. Von hier aus lernt man eine andere berauschende Seite des sonnigen Frankens kennen.
Ist das auch an der Strecke gelegene Bamberg für seine Vielfalt an Bieren bekannt, so deuten hier erste Weinranken an Häusern auf eine weitere Besonderheit der Genussregion hin.
Das Schild „Weinlandkreis Kitzingen“ begrüßt den Reisenden in der Traubenregion und bietet gleichzeitig den Startpunkt einer saftigen Schräglagenfolge. Auch wenn man auf den wohlschmeckenden Schwips durch die weißen und roten Gaumenfreuden erstmal verzichten muss, so entschädigt doch die Fliehkraft durch ein noch schöneren  Rausch. Die Kurven führen uns zu schönen Ortschaften, mit engen Gassen und von Weinranken bewachsenem Sandstein. Besonders Prichsenstadt und Abtswind sind hier zu erwähnen.

Genau genommen ist die Steigewaldtour selbst ein Kulturgut. Wer sich dennoch nicht satt gefahren hat, für den gibt es entlang der Strecke so einiges zu entdecken. Viele Museen und saisonale Veranstaltungen bieten einen schönen und umfassenden Einblick in Wissen und Kultur. Besonders erwähnenswert sind das Fränkische Freilichtmuseum Bad Windsheim und die Bamberger Museenvielfalt.


Wir wünschen Euch allzeit gute Fahrt und kommt immer wieder gesund nach Hause. Euer Ludwig.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.