Piemont auf drei Rädern

Piemont auf drei Rädern

30. Juni 2018 MotoRoute-Reisen 0

Grenzerfahrung Italien – Frankreich

Eine nicht ganz alltägliche Reise machten wir im Frühsommer des Jahres 2018. Eine Endurowanderung, die man auch mit den meisten normalen Motorrädern bewältigen könnte.
Die Firma „Rukka“ stellte uns dazu ihren ultimativen Allroundanzug „RoughRoad“ zur Verfügung und passend dazu kam von Schuberth der Helm „E1“.
Somit waren wir obenrum perfekt ausgestattet für Touren on- und off the road.
Was diese Reise jedoch von einer normalen Motorradtour unterscheiden sollte, war die Art des gewählten Fortbewegungsmittels. Hier wählten wir ein nagelneues Gespann aus dem Hause Ural.
Diese „Sportsmann“ wurde mit Reserverad, Gepäckträger, Schutzbügel und natürlich den geländegängigen Reifen von Heidenau, Modell K37, ausgestattet.
Mit dem Gespann auf dem Anhänger wurde unser Fahrzeug zum Gespann eines Gespannes…!
Die Anreise bis ins Piemont auf drei Rädern mit maximal 39 PS hätte einfach zu lange gedauert und die dann verbleibende Zeit für eine Tour auf und bei der Assietta Grenzkammstraße wäre uns einfach zu hektisch geworden. Also rund 400 Kilogramm Motorrad, dazu Kleidung, Helm und Stiefel, rauf auf den Anhänger und los in Richtung Südwesten. Die erste Etappe führte uns bis zum Bodensee.
Ziemlich früh am nächsten Morgen starteten wir den zweiten Teil der Anreise in Richtung Turin, ins Piemont. Bereits vor vielen Jahren, damals noch jung und knackig, fuhr ich die LGKS und die Assietta Grenzkammstraßen mit einer BMW R 100 GS. Seinerzeit war die Assietta Grenzkammstraße noch relativ gut, im Sinne von viel Schotter und viel Staub und einigen echt heftigen Abschnitten. Wie diese Straße aktuell im Jahre 2018 aussieht, genau das wollen wir bei dieser Tour feststellen. Dies ebenso wie einige Straßen und Trails rund um das Gebiet des Gran Bosco.
Mit einigen echt interessanten und namhaften Pässen gehört diese Grenzregion zwischen Italien und Frankreich zu den „must have`s“ eines jeden Enduristen. Um so sportlicher unser Plan, just diese zwei Pässe in den Cottischen Alpen als auch den Colle de Finestre auf der Assietta Grenzkammstraße erklimmen zu wollen.

Piemont Juni 2018 – Schotter und Schnee in luftiger Höh´.

Auf dem Weg zu den bekanntesten Pässen der Region und natürlich auch zu einigen weniger bekannten, deshalb jedoch nicht weniger schönen, Höhenstraßen zwischen Italien und Frankreich.

Am ersten Tag wollen wir hoch zur „Assietta“. Schon sehr bald stehen die Hinweise, daß weite Teile dieser Straße noch geschlossen sind.

…und wir versuchen es natürlich trotzdem. Irgend ein guter Geist hatte wohl die Sperrbaken weg geräumt und uns genügend Platz für Mensch und Maschine gelassen. Wir sind hier auf fast 2 Kilometer über dem Meeresspiegel und es ist deutlich kälter. Echt gut, der neue Rukka-Anzug, der den Temperaturunterschied von unten ca. 30° bis hier oben bei ca. 12° ganz locker ausgleicht.

Von Meter zu Meter wird es kälter und sind wir anfangs noch ziemlich alleine unterwegs, gesellen sich zunehmen Menschen mit anderen Zweirädern zu uns. Irre ist es allemal, mit einem 400 kg schweren Brocken aus russischem Edeleisen hier hoch zu wollen, doch die vielen Fahrradfahrer (Biker) spinnen noch eine Stufe höher, wie wir…!

Dann wird es aber echt frisch! Ich erinnere mich an den Juli 1999, als ich zum ersten Mal Assietta, Jafferau und Sommelier befahren hatte. Klar, mit einem normalen Motorrad, einer R 100 GS. Damals war es wärmer und der viele Schnee (siehe folgende Bilder) war bereits von den Wegen getaut.

Eine erste Rast, bevor es dann in den groben Schotter der Assietta gehen soll. Über den Wolken und über der Baumgrenze wird der Blick besser, es ist nicht mehr ganz so kalt.

Dennoch hat uns immer mal wieder Jemand große Steine in den Weg gelegt. Man sieht auch, dass es nicht viele andere Verkehrsteilnehmer gibt, welche die Öffnung in der Absperrung gesehen hatten.

Und dann kommt es, das Schild der Begierde. Hier sind wir noch voller Hoffnung, die Kammstraße komplett befahren zu können. Der Himmel öffnet sich, der kalte Wind ist ruhiger und die noch kleinen Steine lassen sich noch gut mit unserem Dreirad befahren.

„Chavalier de Murmeltier“. Dieser Alpenbewohner machten uns immer wieder gute Laune beim Aufstieg. Oft hörte man das warnende Fiepen und an anderer Stelle sonnte sich solch Bergbewohner völlig angstfrei direkt an der Piste.

Nicht viel später dann, die Baumgrenze liegt weit hinter uns, wird die Piste schmaler, die Auswaschungen tiefer und die Steine größer. Aber noch immer hängen Wolken über uns, die die sonst fantastische Aussicht ein wenig schmälern.

Auf knapp 2500 Metern über dem Meer beginnen dann auch die ersten Schneefelder. Hier noch nicht über den Weg reichend und somit „nur“ fürs Foto gut.

Der Schnee wird mehr, der Weg wird nass und pampig und unsere Ural schnappt nach Luft, wie ein Karpfen auf Landgang.

Auf gut zweieinhalb Kilometern Meereshöhe kommen wir gut voran. Klar, das Fahrzeug schüttelt sich bei jedem Stein gewaltig. Ausweichen wie mit einem normalen Zweirad ist nicht, ein Rad trifft immer, Irgendwas!

Rüttel und Schüttel, auch nicht gerührt. James Bond´s Cocktail hätte hier seine reine Freude.

Hier sind die Schneebretter scheinbar schon mit dem Schneepflug von der Piste beseitigt. Zwar ist der Weg nass und pampig, aber das steckt unser Gespann mitsamt dem Heidenau K37 locker weg.

Am Denkmal beim Aufstieg der Assietta Kammstraße.

Dieses Schneebrett bildete das Ende der Tour zur Assietta. Selbst Fahrradfahrer waren hier am Ende.

Die beiden Biker versuchten zwar noch, ihre Gefährte über das zu Eis erstarrte Schneebrett zu schieben, doch gaben auch sie dann entkräftet auf.

Das Resultat dieses Tages: Wunderschöne Landschaft und eine total verdreckte „Ljudmila“.

Der zweite Tag, unser Ziel ist der Mont Cenis, welcher sich dann aber auch als gesperrt herausstellt. Statt dessen fahren wir später auf Teer den Col de Galibier bis nach Frankreich hinein.

Gerade breit genug sind die Wege in den Dörfern, wie hier in Sant Antonio. Um nicht irgendwann stecken zu bleiben, suchen wir uns eine breitere Straße zum Mont Cenis.

Das mit der beiteren Strasse klappt aber nicht sofort, einige wunderschöne Waldpassagen bereichern die Anfahrt.

Einmal ist es ein Schneebrett, ein anderes Mal umgestürzte Bäume. Wirklich erreicht haben wir unser Ziel jedoch immer, denn es waren tolle und sehenswerte Wege.

Diese Straße beherbergt auch die (ehemalige) Grenze zwischen Italien und Frankreich. Mit viel Glück durften wir sie ohne stressigen Verkehr von Autos, LKWs und Fahrrädern erleben.

Am Lac du Mont Cenis. Dessen Staumauer wir überfahren und später dort ein Picknick einlegen.

Steine, die man mit einer Enduro einfach umfährt, schütteln uns immer wieder kräftig durch. Kilometerlang zieht sich diese Rüttelplatte um den Berg herum.

Kalt, nass und erdig ist diese Schneedurchfahrt.

Heidenau´s K37 ist auf Geröll und schlechten Straßen definitiv erste Wahl, doch auf harschigem Schnee und Eis wollte er einfach nicht weiter.

Das Fort Redoute Marie-Thérèse ist eine sardische Zitadelle in Avrieux in Frankreich. (Quelle Wikipedia)

Tag 3.

Wir wollen Sommelier! Hier bei 1999 Höhenmetern erkennen wir erstmalig das Ausmaß einer heftige Mure. Irgendwie wurde der Weg bereits vom Schlimmsten befreit und wir kommen auch mit unserem Gespann durch. Stellenweise, wenn es richtig steil bergan geht, muss unsere Fotografin das Boot verlassen und mir etwas Anlauf gewähren, sonst wären diese Passagen definitiv das Ende der Etappe gewesen.

Stausee unterhalb des Col de Sommelier. Hier dachten wir noch, das wird schon, da kommen wir durch. Ja, dachten wir!

Falsch gedacht! Hier war definitiv Schluss für uns. Auch dazu kommende, selbst ernannte Hardenduristen aus München, machten hier die Wende und ergaben sich dem Schneebrett. Das gab meinem Ego wieder gewaltigen Aufschwung…!

Ein einsamer Stollenritter aus dem Raum Hannover begleitete uns oft als Nothilfe, falls wir das Gespann in Matsch oder Schnee eingraben sollten. Das war auch gut so, denn einige Male mussten Steine oder Baumreste vom Weg gezogen werden.

Wegen des Schneebrettes mussten wir natürlich umdrehen und ließen uns dann Zeit für die Schönheiten der Natur. Oft mussten wir uns zwingen, den Blick zu lösen um weiter zu fahren. Echt, ein Traum und noch besser, wenn das Wetter mitspielt und die Wolken kurz Pause machen. Hier: Stausee unterhalb des Col de Sommelier auf 2025 m.

Mancherlei Gewächs machte ein Durchkommen mit 1,7 Metern Breite dann doch nicht so ganz einfach, zumal wenn es auf einer Seite sehr steil bergab geht. In solchem Falle kam unser Niedersächsicher Begleiter zu seinem Einsatz und „machte den Weg frei!“

Dem Fort auf´s Dach gestiegen. Auf 1990 Metern über Null auf dem Fortana di Fonte Tana. Das ursprünglich angepeilte Tagesziel, Fort Jafferau, ebenfalls gesperrt. Der Tunnel auf einer Seite komplett dicht und ein Durchkommen mit unserer dicken Ljudmila leider nicht möglich.

Um nicht noch mehr Unmut auf Motorradfahrer zu ziehen, vermeiden wir es unbedingt und jederzeit mit viel Lärm oder gar querfeldein zu fahren. Brav auf den Wegen bleiben, bringt auch den nachfolgenden Motorradgenerationen eine gesunde Landschaft und freundliche Bergbewohner.

Das Abschiedsbild einer außergewöhnlichen Reise. In Millaures fanden sich zwei moderne Fahrzeuge mit antikem Charme.

Persönliches Fazit:
Um das Ganze in wenige Worte zu fassen bleibt nur: Einfach super, immer wieder!!!
Besonderen Dank an das Reifenwerk Heidenau, an das Haus Rukka und an die Firma Schuberth für die Ausstattung von Mensch und Maschine.

Allgemeine Informationen zur Region – Quelle Wikipedia:

Colle delle Finestre ist ein Gebirgspass in den Alpen in der italienischen Region Piemont.
Der Pass liegt im Naturschutzgebiet des Parco naturale Orsiera – Rocciavrè und verbindet in einer Höhe von 2178 m das Susatal mit dem Chisonetal (Depot bei Fenestrelle). Die Strecke ist zum großen Teil geschottert. Südlich des Scheitels liegt der Osteinstieg der Assietta-Kammstraße. Wintersperre ist vom 1. November bis zum 31. Mai.

Der Monte Jafferau ist ein 2805 m s.l.m. hoher Berg in den Cottischen Alpen in Italien im Grenzgebiet zu Frankreich. Er erhebt sich östlich der Stadt Bardonecchia linksseitig der Dora di Bardonecchia und trennt das Gebiet von Bardonecchia von Valfredda. Der Nordgipfel trägt den Namen Testa del Ban (2652 m, ) und hat eine Schartenhöhe von rund 30 Meter.[1]
Auf dem Gipfel befindet sich das am Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Fort Jafferau[2][3], eine bedeutende Festung, Teil des Vallo Alpino und eine der höchsten Befestigungsanlagen der Cottischen Alpen. Von Salbertrand führt eine Straße zum Fort auf dem Gipfel.
Der Monte Jafferau ist ein beliebtes Ziel für Endurofahrer. Anfahrtsmöglichkeiten bestehen u. a. von Salbertrand und Savoulx aus. Denzel SG 4.[4] Die Pisten des Monte Jafferau sind Teil des Skigebiets von Bardonecchia.

Der Col de Sommeiller (bzw. Colle Sommeiller) ist ein Pass in den italienischen Alpen im Piemont. Er befindet sich im Mont-Cenis-Massiv auf der Grenze zwischen Frankreich und Italien in der Nähe des Mont-Cenis-Tunnels. Das Besondere an dem Pass ist die Tatsache, dass es sich, nachdem die Zufahrt zum Mont Chaberton um das Jahr 2000 herum endgültig gesperrt wurde, bei dem auf 2996 Metern kurz unterhalb der Passhöhe liegenden Hochplateau bis zum Juni 2007 um den höchsten Punkt in den Alpen handelte, der legal von zweispurigen Fahrzeugen angefahren werden konnte – nun ist dies die Bergstation des Bontadini-Lifts nahe Cervinia, welche jedoch nur zu bestimmten Veranstaltungen für den Verkehr freigegeben ist.
Der Pass ist benannt nach dem italienischen Ingenieur Germain Sommeiller (* 15. März 1815 in Saint-Jeoire, † 11. Juli 1871 in Saint-Jeoire), der u. a. für den Bau des 12 km langen Fréjus-Tunnels zwischen Bardonecchia (Italien) und Modane (Frankreich) verantwortlich ist.
Die Zufahrt zum Col de Sommeiller ist heute fast nur noch mit geländetauglichen Fahrzeugen möglich. Die grob geschotterte, teilweise sehr schmale Straße liegt in einem hochalpinen Umfeld, so dass eine Befahrung nur routinierten Fahrern vorbehalten sein sollte (SG 4). Es gilt ein Fahrverbot für Kraftfahrzeuge oberhalb des Rifugio Scarfiotti von freitags bis sonntags jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr (Stand Juli 2009).
Es handelt sich hier um ein ehemaliges Skigebiet, welches nach einem schweren Lawinenunglück in den 1960erJahren aufgegeben wurde. Seitdem wird der Weg nur sporadisch unterhalten. Einmal im Jahr, anlässlich des Motorradtreffens Stella Alpina, wird der Weg vom Schnee befreit und etwas ausgebessert. Die Stella Alpina findet immer am zweiten Sonntag im Juli statt und ist das höchstgelegene Motorradtreffen der Welt. Vor dieser Zeit ist es aufgrund der Schneelage in den höheren Regionen recht unwahrscheinlich, dass man die Passhöhe erreichen kann. Als beste Zeit für eine Befahrung hat sich die erste Septemberwoche erwiesen.
Der Weg führt von Bardonecchia aus in Richtung Rochemolles, an dem Stausee Lac Rochemolles und der Rifugio Scarfiotti vorbei und gewinnt dann in zahlreichen Serpentinen an Höhe. Im oberen Teil sind die Kehren teilweise stark ausgewaschen, so dass eine Befahrung mit herkömmlichen PKWs heute schwer vorstellbar ist. Teilweise muss mit größeren Fahrzeugen in den Kehren mehrfach zurückgesetzt werden.
Der Weg endet auf einem Hochplateau. Dort findet man einen See mit über das Jahr stark variierendem Wasserstand. Ebenfalls auf dem Hochplateau stand das Rifugio Ambin, ein ehemaliges Hotel (bzw. Wetterstation), dieses wurde zwischen September 2004 und Oktober 2005 abgerissen. Am südöstlichen Rand des Hochplateaus liegt ein Hügel, auf dem mehrere Fahnenstangen stehen (3050 m). Dies ist der Fahnenhügel, das Ziel zahlreicher Motorrad- und Geländewagenfahrer aus ganz Europa, für welche die Befahrung dieses Hügels eine Herausforderung war. Durch eine Holzbarriere zwischen dem Plateau und dem See ist der Fahnenhügel heute nicht mehr zu befahren. Auf dem Fahnenhügel ist seit dem 22. Januar 2004 ein virtueller GeoCache platziert (siehe Weblinks).
Der eigentliche Gipfel Punta Sommeiller ist 3333 m hoch und nur zu Fuß über ein steiles Schotterfeld zu erreichen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.